Stimmkraft

Laut und (un)deutlich: Fünf Tipps zum Atmen und Sprechen hinter dem Mundschutz

Der erste Einkauf mit der Mund-Nasen-Maske – wir alle werden ihn wohl nie vergessen. Und spätestens bei der ersten Bestellung an der Bäckereitheke oder beim Bezahlen an der Supermarktkasse haben wir alle gemerkt:  Die Stimme trotz Maske so einzusetzen, dass sie auch gehört wird, ist eine große Herausforderung. Stimmtrainerin Carola Gebhart aus Fürth hat Techniken entwickelt, die dabei helfen.  

„Wir müssen uns bewusstmachen, dass wir mit der Maske von anderen anders wahrgenommen werden, schließlich sprechen wir ja gegen einen Widerstand“, erklärt Carola Gebhart, Stimmtrainerin aus Fürth. Doch nur weil wir lauter sprechen müssen, werden wir von unserem Gegenüber nicht gleich als unfreundlich oder aggressiv wahrgenommen. „Man darf schließlich nicht vergessen, dass wir uns gerade alle in der gleichen Situation befinden, an die wir uns erst gewöhnen müssen“, so die Expertin. Eine weitere Schwierigkeit:  Die Mimik, die uns normal dabei hilft, die Gefühle des Gegenübers einzuschätzen, können wir durch den Mundschutz nicht mehr sehen. Aktuell sind wir also mehr denn je auf unsere Stimme angewiesen – auch wenn wir uns unsicher sind, wie wir sie unter diesen Umständen am besten einsetzen.  

„Ich habe das Gefühl, dass jeder weiß, wie man die Maske reinigt und wie man sie richtig aufsetzt, aber keiner weiß, wie man darunter atmet und spricht“, erzählt Carola Gebhart. Einige ihrer Freunde, die im Einzelhandel arbeiten, fragten sie nach Tipps. Und so fing Carola Gebhart an, sich selbst mehr mit diesem Thema auseinanderzusetzen und Techniken zu entwickeln, die jeder im Alltag leicht umsetzen kann:   

1. Ruhe bewahren

Hinter einer Mund-Nasen-Maske zu atmen, ist für Carola Gebhart wie das Atmen mit einer Tauchermaske: „Hier muss Ihnen auch vor dem ersten Tauchausflug erklärt werden, wie Sie richtig atmen.“ Gerade bei längerem Tragen wie beispielsweise einem Frisörbesuch kann eine echte Stresssituation entstehen, die in Angst und Panikattacken mündet. „Und das ist der Teufelskreis hinter Masken: Ich komme ins Hächeln, atme dadurch sehr flach und bekomme keinen Sauerstoff mehr.“ Daher gilt: Ruhe bewahren und langsam und regelmäßig tief in den Bauch einatmen.  

2. Mund zu und durch die Nase atmen

Unter der Maske ist es wichtig, nicht durch den Mund, sondern durch die Nase zu atmen. „Durch die Nase atmen wir automatisch viel tiefer in den Bauch hinein“, erklärt Carola GebhartSo werden wir besser mit Sauerstoff versorgt. 

 

Stimmtrainerin Carola Gebhart aus Fürth weiß, worauf es beim Atmen und Sprechen hinter der Maske ankommt. Foto: privat

3. Schnute bringt die Stimme nach vorne

Für unsere Stimme wirkt die Maske wie ein Schalldämpfer. „Das ist, wie wenn ich mir ein Kissen vor den Mund halte“, so die Expertin. Umso dicker der Stoff unserer Maske, desto lauter müssen wir sprechen, was übrigens auch unseren Stimmklang verändert. „Das laute Sprechen strengt uns und unsere Stimmbänder viel mehr an und kann auf Dauer auch dazu führen, dass wir schneller heiser werden.“ Und es ergibt sich noch ein Problem: Dadurch dass wir denken, wir müssten lauter sprechen, machen wir den Mund noch weiter auf. Dadurch strömt noch mehr heiße Luft aus, die wir wieder einatmen. Ein TeufelskreislaufDoch Carola Gebhart weiß, wie wir da rauskommen: „Wenn Sie den Kiefer leicht offenhalten und eine Schnute bilden, wird Ihre Stimme fokussierter und geht wie ein Strahl durch die Maske.“ Vergleichbar ist das Ganze mit einem Gießer: „Wenn vorne der Aufsatz drauf ist, verteilt sich das Wasser schön. Mache ich den Aufsatz runter, habe ich den Strahl, der nur punktuell gießt. Ähnlich verhält es sich mit der Stimme. Durch die Schnute kommt sie weiter nach vorne.“ 

4. Regelmäßige Verschnaufpausen

Das Wort Verschnaufpause bekommt für mich persönlich in diesen Zeiten einen ganz anderen Stellenwert“, sagt die Stimmtrainerin. Denn Verschnaufpausen sind aktuell wichtiger denn je: nf Stunden am Stück oder sogar noch länger mit der Maske in einem Laden stehen zu müssen, ist kontraproduktiv. Ohne frischen Sauerstoff lässt unsere Konzentration nach und unsere Energie schwindet. „Wir müssen viel mehr Pausen machen und diese auch fest in unseren Arbeitsalltag einplanen.“ Raus an die frische Luft und ohne Maske Sauerstoff tanken. Doch auch hier gibt es etwas zu beachten: „Die alte Luft müssen Sie erst einmal ausatmen, bis der Bauchnabel ganz innen ist. Erst wenn Sie das Gefühl haben, dass die ganze Luft draußen ist, lassen Sie den Bauchnabel los und atmen durch die Nase frische Luft ein“, rät die Expertin.   

Wenn Sie bei der Verschnaufpause merken, dass ihr Hals durch das Atmen hinter der Maske trocken ist oder sogar kratzt, empfehlen wir unsere ipalat® Halspastillen.

Durch langes Tragen der Maske, können auch Halsschmerzen oder Hustenreiz auftreten. Hier eignet sich das ipalat® HydroMed.

5. Lächeln auch hinter der Maske

Sie fragen sich jetzt vielleicht, warum Sie hinter der Maske lächeln sollen. Schließlich sieht das ja niemand. Mag sein, doch das Lächeln hinter der Maske hat einen ganz anderen Sinn: „Durch das Lächeln bleiben die Nasenflügel hinter der Maske offen und die Gesichtsmuskulatur erschlafft nicht“, erklärt die Stimmtrainerin. Nebenbei hat das Ganze auch noch einen psychologischen Effekt auf unser Gehirn: Wenn wir lächeln, dann sagt das unserem Gehirn, dass es uns gut geht. Wenn wir nicht lächeln, dann sagt das genau das Gegenteil aus und unsere Energie verschwindet. „Das Schönste: Wenn ich unter der Maske lächle, dann bleiben auch meine Augen und ich selbst fröhlich und ich kann mit der ganzen Situation viel positiver umgehen“, sagt Carola Gebhart. Denn egal ob ich mich darüber aufrege, eine Maske tragen zu müssen, oder ob ich es akzeptiere – wir alle müssen in diesen Zeiten eine Maske tragen und es liegt an uns, das Beste daraus zu machen. 

 

Fotos: Unsplash/Arturo Rey